Tuesday, November 27, 2012

Guy Delisle: Aufzeichnungen aus Jerusalem (Rezension)


Der kanadische Comic-Autor Guy Delisle ist vor allem für seine Reiseberichte bekannt. In seinem jüngsten Band „Aufzeichnungen aus Jerusalem“ erzählt er in einer eindringlichen Kombination aus Bild und Text von seinem einjährigen Aufenthalt in Israel und seinen Erfahrungen mit den Menschen in und um Jerusalem. Auf sehr charmante und neutrale Arte und Weise zeichnet er ein stimmiges Bild der Stadt mit ihrem einmaligen Mix aus verschiedenen Kulturen und Religionen. Natürlich ist auch der Nahostkonflikt ein Thema.

Es ist schwierig, die genaue Wirkung der „Aufzeichnungen“ zu beschreiben. Komische und witzige Momentaufnahmen stehen dicht gedrängt neben nachdenklichen Passagen. Man bekommt beim Lesen ein Gefühl für die vom Autor eingefangene Stimmung vor Ort, man glaubt währenddessen Land und Leute besser kennenzulernen, Verständnis zu entwickeln für ihre besondere Lebenssituation. Guy Delisle gelingt es, viele verschiedene Stimmen und Perspektiven einzufangen. Obwohl das Erzählte sehr autobiographisch ist, nimmt er sich als Person meistens sehr zurück, lässt die Bilder selbst bzw. die Menschen zu Wort kommen, die ihm in diesem einen Jahr begegnet sind.

In einem Interview auf der Buch Wien 2012 hat der Autor seine Comics als „long postcards“ bezeichnet – eine sehr treffende Beschreibung, wie ich finde. Die „Aufzeichnungen aus Jerusalem“ sind jedenfalls eine ganz klare Leseempfehlung! (MP)

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