Thursday, April 7, 2011

George R. R. Martin: Die Herren von Winterfell. Das Lied von Eis und Feuer 1

Der vom TIME Magazine als „amerikanischer Tolkien“ bezeichnete Autor George R. R. Martin beschert uns mit dem ersten Teil seiner Serie „Das Lied von Eis und Feuer“ einen sogenannten „page-turner“. „Die Herren von Winterfell“ ist ein fesselndes Buch, das in jedem Kapitel mit neuen Wendungen und unvorhersehbaren Entwicklungen zu überraschen weiß. Vergleiche mit Tolkiens „Herr der Ringe“, wie sie in vielen Rezensionen vorkommen, sind aber weitgehend unangebracht. Denn anders als bei Tolkien ist es für den Leser ungleich schwerer auszumachen, wer auf welcher Seite steht. Auch die wechselnden Erzählperspektiven tragen maßgeblich dazu bei, den Leser in die von Intrigen durchzogene und brutale Fantasy-Welt hineinzuziehen. Sicher, einige Charaktere wirken etwas flach und einige Stellen der Geschichte sind langatmig bzw. ist nicht immer gleich zu erkennen, welche Informationen und Personen noch wichtig sein werden und welche nicht. Nichtsdestotrotz: Was bleibt ist eine spannende Story, die einen zwingt von einem Kapitel zum anderen zu hetzen und die Figuren auf ihren Wegen und Abwegen zu begleiten. Dass Fantasy-Literatur auch ohne Elfen, Orks und Feuerbälle funktionieren kann, hat Martin mit diesem Buch bewiesen. Stattdessen geht es um Machtspiele und undurchsichtige Intrigen, um angedeutete Katastrophen und folgenschwere Entscheidungen. Nicht umsonst trägt das Buch im englischen Original den treffenden Titel „A Game of Thrones“. Über den literarischen Wert des Buches kann man sicher streiten, unterhaltsam ist es allemal. (MP)

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